Ukraine; des Dramas vorletzter Akt

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein “Trauerspiel”, was sich derzeit in dem Schwellenland Ukraine zwischen Westeuropa und Russland ereignet. Fast der gesamte “Westen” vermittelt eine mediale Sicht, die konträr zur Einschätzung der dortigen Lage aus gegnerischem Blickwinkel ist. Aus Mangel an seriösen russisch orientierten Quellen hat der sogenannte Europäer keine Möglichkeit einen möglichst unabhängigen Standpunkt zu entwickeln und somit auch nicht die Voraussetzung für ein verantwortungsvolles politisches Agieren. Er wird ganz “demokratisch” vor den Karren von Großmächten (wohl verstanden West gegen Ost) gespannt, mit deren Intentionen nicht jede/r einverstanden wäre, kennte er/sie die Hintergründe.

Wie das geht, zeigen drei Beispiele.

Der Westen spricht so:

Die liberale Wirtschaftswoche veröffentlicht einen Kommentar von Florian Willershausen.

Herr Willershausen imaginiert einen “Oppositionsführer Vitali Klitschko”als ob es eine Opposition gäbe. Das Klitschko der Wunschkandidat des Westens ist, daran kann kein Zweifel bestehen. Ob er aber diese Opposition wirklich anführt, darf zumindest in Frage gestellt werden. Zu offensichtlich agiert die rechtsextreme Partei Sloboda ganz vorne und mittendrin im Geschehen. Wenn Willershausen sich dann noch zu diesem Satz verführen lässt: “Weder die junge Mittelschicht noch Babukschki, die in Wollmützen auf dem Majdan sitzen und Soljanka kochen, unterstützt die nationalistische Minderheit in ihrem Anarchismus.”, dann muss man schon ein wenig die Kompetenz des Journalisten anzweifeln. Was, Herr Willershausen, hat Nationalismus mit Anarchismus zu tun? Diese Schläger sind schlicht Gewalttäter, die auch in der Ukraine in den Knast gehören. Und auch in anderen Ländern werden meist die zunächst “friedfertigen” Demonstrationen gewalttätig und schlagen wütend auf den vermeintlichen Feind ein.

http://www.wiwo.de/politik/europa/proteste-die-eskalation-in-der-ukraine-ist-hausgemacht/9356064.html

 

Eine völlig andere Sicht er Dinge liefert z.B. die Partei der Regionen aus der Ukraine:

Hier werden die “Revolutionäre” zu Verbrechern interpretiert, ähnlich der Deutung durch deutsche neoliberale Kreise in Bezug auf die aufrührerischen Kräfte in Hamburg. Jene die die Staatsmacht attackieren sind immer die Bösen und mit etwas Geschick ist die Gesellschaft auch davon zu überzeugen. Ob das in der Ukraine gelingen kann, werden die Wahlen im Jahre 2015 zeigen, wenn es hoffentlich nicht zu einem Bürgerkrieg kommt.

http://ukraine-nachrichten.de/erkl%C3%A4rung-pressedienstes-partei-regionen_3857_politik

Vielleicht wäre ja das Interview in der Jungle World vom 9. Januar mit Denis Lewin etwas hilfreich, der u.a. sagt: “Das ist das alte Spiel der Politiker. Vor jeder Wahl wird bei uns (i.d.Ukraine;gk) die Hysterie in Bezug auf Russland, die gemeinsame sowjetische Vergangenheit und die Frage nach der Staatssprache auf die Spitze getrieben. Mit dieser Methode lässt sich die Wählerschaft spalten und anhand weniger Fragen wird deutlich gemacht, für welchen Oligarchen es lohnt seine Stimme abzugeben, wer zu “uns” gehört und wer unser “Feind” ist. Mir scheint, es gibt für uns dennoch einen dritten Weg, nämlich eine unabhängige soziale Entwicklung der Ukraine jenseits jeglicher Blöcke und jenseits neoliberaler Bündnisse.”

Ich kann zwar dem Optimismus von Lewin in Bezug auf den “dritten Weg” nichts abgewinnen, dennoch ist die Aussage mit Blick auf die geschürte Hysterie und der gewollten Spaltung der Gesellschaft nicht von der Hand zu weisen.

Gerd
Geboren kurz vor dem Ende des nazifaschistischen 3. Reiches, als Kind unterprivilegierter Eltern. Der Vater als Unteroffizier in Russland verschwunden. Einfache Schulausbildung, Handwerkslehre, Erzieher, autodidaktische Schulungen, Anarchist, pädagogischer Heimleiter in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, Autor und Referent, Verleger eines Selbstverlages, politisch internationalistisch und linksliberal. Motto: "Jede Wahrheit ist zu hinterfragen und Kritik sollte und darf immer schonungslos sein!"

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