Kerniger Jahrestag

Vor 73 Jahren hatte ich wohl das dringende Bedürfnis aus dem Schutzraum zu verschwinden den mir Adelheid Kern (Engel), meine Mutter, für 9 Monate zur Verfügung gestellt hatte. Ich weiß nicht mehr ob es mein Wille war oder der Trieb aus dem zu eng gewordenen Gefäß zu fliehen; hinein in eine Welt, die mir ganz und gar unbekannt war. Vielleicht hatte ich zuvor ein paar Geräusche, Stimmen oder auch andere mehr oder weniger wohltuende akustische Signale vernommen. Es war ein Mittwoch am 15. Januar 1941 in einem Krankenhaus in Wiesbaden.

Gerdsche 1941Gerd’sche 1941

Mein Vater, der Unteroffizier Gerhard Friederich Kern war in der Kurstadt stationiert, daher der merkwürdige Ort. Nun kann man ganz bestimmt nicht sagen, dass das Krankenhaus ein Wohlfühlort war, den ich da erblickte. Jedenfalls hat mir der Anblick meiner durchaus schönen Mutter sehr wohl gefallen. Sehr bald zog ich dann mit Hilfe von ihr (Mütter hießen damals Mutti) in den Ort meiner frühen Kindheit ins Haus meiner sehr geliebten Großmutter Katharina Kern nach Segendorf bei Neuwied am Rhein und durfte dort eine Familie erleben, die von starken Frauen organisiert wurde. Als Sohn hatte ich einen Sonderstatus und ich wurde entsprechend verwöhnt, denn Männer hatten zu jener einen gewissen Mehrwert. Irgendwann nach dem Versuch des selbstständigen Sitzens und Krabbelns auf allen Vieren, stand ich dann aufrecht und versucht die Tischplatte zu überschauen. In diese Zeit fielen auch die Versuche den mit Holz und Kohle geheizten Küchenofen zu erkunden, was Entsetzenschreie der Frauen und heftige Schmerzen an den kleinen “Männerhänden” zur Folge hatte. Ich wurde gut gefüttert, was gewisse Rundungen zur Folge hatte und manchmal zu Widerstand gegen die Familiengewalt in Form von Nahrungsverweigerung führte. Danach habe ich mich dann aber trotzdem noch weiter entwickelt, wurde 175 cm groß und 75 – 80 kg +/- schwer geworden.

Weiteres folgt demnächst.

 

 

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Gerd
Geboren kurz vor dem Ende des nazifaschistischen 3. Reiches, als Kind unterprivilegierter Eltern. Der Vater als Unteroffizier in Russland verschwunden. Einfache Schulausbildung, Handwerkslehre, Erzieher, autodidaktische Schulungen, Anarchist, pädagogischer Heimleiter in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, Autor und Referent, Verleger eines Selbstverlages, politisch internationalistisch und linksliberal. Motto: "Jede Wahrheit ist zu hinterfragen und Kritik sollte und darf immer schonungslos sein!"

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