Der Internationale Tag der Sinti und Roma

Am 8. April ist nicht nur Ostern, sondern auch ein Tag der Solidarität mit allen Sinti und Roma auf der Welt. Ein Tag für  diese „Minderheit“ in unserer Gesellschaft, die sich so schwer tut die andere Lebensweise und Kultur zu akzeptieren und sie als Teil der westlichen Gesellschaften zu begreifen. Es geht nicht nur darum ihre wunderbare Musik zu genießen, sondern um Respekt vor den Menschen, die viel zu oft, auch heute noch,  verfolgt und auch ermordet wurden. Sie müssen an dem Reichtum unserer Gesellschaft teilhaben können und dies im Wortsinne. Das was man heute behinderten Menschen, nach langem Kampf derselben, selbstverständlich zugesteht, sollte genauso auch den Minderheiten in vollem Umfang  ermöglicht werden. Erst wenn es gelingt besonders Sinti und Roma, auch unter Berücksichtigung ihrer teils so anderen Lebensweise, voll in die Gesellschaft zu integrieren haben wir das, was man heute so vollmundig verkündet, die Demokratie ein Stück weit mehr realisiert.

 

Pressemitteilung zum 8. April – Internationaler Tag der Sinti und Roma

 

Am 8. April ist der Internationale Tag der Sinti und Roma. Aus diesem Anlass veranstaltet der interkulturelle Jugendverband Amaro Drom e.V. gemeinsam mit seinem Berliner Landesverband Amaro Foro e.V. verschiedene Aktionen. Ab 12.00 Uhr sind wir mit einem Infostand am Rathaus Neukölln vertreten. Hier finden Sie Informationsmaterial zum Internationalen Tag der Sinti und Roma. Ab 15.00 Uhr wird mit Kaffee, Kuchen und Musik das neue Büro von Amaro Foro am Weichselplatz 8 in 12045 Berlin offiziell eröffnen. Dort finden Sie neben weiteren Informationen auch eine Bücherausstellung. Um 16.00 Uhr werden wir uns gemeinsam zum Landwehrkanal begeben und Blumen ins Wasser streuen. Denn am Internationalen Tag der Sinti und Roma legen wir in ganz Europa Blumen in Flüsse, Seen und Meere, um symbolisch die Verbundenheit mit Roma in allen Teilen der Welt zum Ausdruck zu bringen.

Der nordrhein-westfälische Landesverband Terno Drom e.V. lädt ebenfalls um 14.00 Uhr zur Feier des 8. April in das djo-Jugendzentrum „Bunker“ in Düsseldorf Rath ein.

 

Der 8. April ist ein wichtiger Tag für Roma in ganz Europa. An diesem Datum fand 1971 der erste Welt-Roma-Kongress in London statt, ein Meilenstein für die Emanzipation der Roma, auf dem sich die Delegierten einmütig für die Selbstbezeichnung Roma anstelle diskriminierender Fremdbezeichnungen aussprachen, sowie sich auf ihre gemeinsame Flagge und eine Hymne einigten. Das Lied „Gelem, gelem“ erinnert an die Jahrhunderte lange Verfolgung der Sinti und Roma. Seit über 600 Jahren begegnet man uns mit Vorurteilen, eine gleichberechtigte gesellschaftliche Partizipation blieb verwehrt. Die Geschichte von uns Roma ist die Geschichte von Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung, die ihren traurigen Höhepunkt im nationalsozialistischen Genozid fand. Der Porrajmos (Romanes, dt.: das Verschlingen), wie der Holocaust von Roma bezeichnet wird, hatte den Tod von etwa 90% der europäischen Roma, von einer halben Million Menschen zur Folge.

Wir vergessen nicht. Auch daran wollen wir uns am 8. April erinnern und der Opfer dieser grausamen Verbrechen gedenken, deren Nachkommen wir Roma sind. Wir bleiben nicht stumm. Unsere Geschichte ist seit Anbeginn ein Kampf um Gleichberechtigung und Würde. Gemeinsam treten wir für unsere Rechte und unsere Freiheit ein, um uns ein Leben in Würde und Sicherheit zu schaffen, wie es jeder_m anderen zusteht.

 

Anlässlich des Internationalen Tages der Sinti und Roma fordern wir daher ein Ende der Diskriminierung und der sozialen Ausgrenzung, die noch immer anhält. Weit verbreitete Vorurteile und Stereotype werden in den Medien, in Politik und Gesellschaft noch immer nicht ausreichend kritisiert. Wir fordern, dass sich jede_r bewusst macht, welche Folgen Antiziganismus hat und wünschen uns Unterstützung für unser Bemühen um ein gleichberechtigtes Miteinander.

 

Amaro Drom ist ein bundesweit agierender Verein von jugendlichen Roma und Nicht-Roma. Bei uns treten jugendliche Roma durch Selbstorganisation, Empowerment und Bildung aktiv für ihre Rechte und persönliche Freiheit ein und setzen damit ein Zeichen gegen antiziganistische Diskriminierung. Durch die bewusst gewählte Zusammenarbeit von Roma und Nicht-Roma leben wir unser gemeinsames Ziel vor: ein solidarisches Miteinander jenseits von Vorurteilen und ungleichen Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe und Mitbestimmung.

 

Gerd
Geboren kurz vor dem Ende des nazifaschistischen 3. Reiches, als Kind unterprivilegierter Eltern. Der Vater als Unteroffizier in Russland verschwunden. Einfache Schulausbildung, Handwerkslehre, Erzieher, autodidaktische Schulungen, Anarchist, pädagogischer Heimleiter in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, Autor und Referent, Verleger eines Selbstverlages, politisch internationalistisch und linksliberal. Motto: "Jede Wahrheit ist zu hinterfragen und Kritik sollte und darf immer schonungslos sein!"

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